Unileben 06. April 2010

Ein Kampf gegen den Abriss

Die Beethovenhalle ist ein Kulturdenkmal der Bonner Republik - Mit Führungen streitet eine Initiative für ihren Erhalt

Bild: Initiative Beethovenhalle, © Schafgans Archiv/ Hans Schafgans
Bild: Initiative Beethovenhalle, © Schafgans Archiv/ Hans Schafgans

Bonn.(IB/VN/GE) Die Beethovenhalle ist ein großes Erinnerungsstück aus der Zeit, als Bonn noch Regierungshauptstadt war. Sie war eines der ersten repräsentativen Gebäude, die in der Ära der Bonner Republik in Bonn errichtet wurde. Vier Mal tagte die Bundesversammlung in ihr und sogar Bundespräsidenten wurden hier gewählt. Bis heute ist sie Veranstaltungsort für Bälle, Tagungen, Parteitage und vieles andere.

Jetzt soll das Meisterwerk des Architekten Siegfried Wolske, seines Zeichens Schüler der bedeutenden Architekten Hans Schilling und Hans Scharounstatt, abgerissen werden. An seiner Stelle planen Stadt und Dirigent Kurt Masur ein Festspielhaus, welches klanglich und größentechnisch auch als Konzertsaal dienen kann.

Stellt sich die Frage, ob das Denkmal für einen solchen Zweck weichen soll. Es handelt sich schließlich um eines der wenigen noch verbliebenen Kulturerbschaften der Bundeshauptstadt. Erst kürzlich mussten zahlreiche ehemalige Regierungsgebäude wie die Bundestagsverwaltung, der Bundesrat oder die Parlamentarische Gesellschaft - immerhin ein Gebäude der Jahrhunderwende -, neuen Gebäudekomplexen des UNCC vernichtend Platz machen. Und braucht eine Stadt von nur 310.000 Einwohnern, deren Opernhaus sich schon Fragen nach der Existensberechtigung stellen lassen muss, überhaupt noch ein Festspielhaus?

Für das Image der Stadt wäre eine neue Kulturstätte sicher gut, doch woher das Geld nehmen? Zwar will der Bund 39 Millionen EUR in eine Stiftung einzahlen und auch hier ansässige DAX-Unternehmen treten als Spender eines Neubaus auf. Doch selbst dann sind Gesamtkosten von etwa 150 bis 300 Millionen Euro zuzüglich laufender Betriebskosten keine Peanuts für das durch Fehlinvestitionen und Bauskandale bereits strapazierte Stadtsäckel. Hinzu kommt, dass die Beethovenhalle größtenteils aus Spenden finanziert wurde, was für eine starke bürgerliche Einbindung spricht. Werden die Bürger dieses mal außen vor gelassen? Geht es um das Stadtbild, um Geld oder um Bonn und seine Leute?

Die "Initiative Beethovenhalle", die sich aus einer Gruppe von Studierenden des Kunsthistorischen Oberseminars von Frau Prof. Dr. Hiltrud Kier bildete, tritt für den Erhalt der von Bonnern liebevoll "Schildkröte" genannten Halle ein. Auch wenn ihre Mitglieder den ambitionierten Neubau eines Festspielhauses begrüßen, lehnen sie mit Nachdruck ab, diesen anstelle der Beethovenhalle und ohne bürgerschaftliche Beteiligung und Transparenz zu verwirklichen.

Sie bieten daher für Bürgerinnen und Bürger sowie sonstige Interessierte Führungen an, um das Gebäude und seine Geschichte näher zu bringen. Dabei zeigen die führenden Studenten anhand von Fakten und Anekdoten, welchen gesellschaftlichen, städtebaulichen und architektonischen Wert die im 1950er Stil erbaute Beethovenhalle für Bonn besitzt. Bildet euch am 11. April eine eigene Meinung. Wer an diesem Tag keine Zeit hat, kann auch die Termine am 18. oder 25. April wahrnehmen.

Kunsthistorische Führung durch die Beethovenhalle Bonn
Wann: 11. April
Beginn: 13:00 Uhr
Treffpunkt: Beethoven-Kopf vor der Beethovenhalle
Eintritt: frei



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