Die Entschlossenheit einer Mutter
Die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind ist einzigartig - Wie weit eine Frau tatsächlich gehen würde, um ihr Kind zu schützen, zeigt ab 05. August das südkoreanische Krimidrama „Mother“
(MS) Ein Verbrechen geschieht, der Protagonist ermittelt und am Ende stellt sich derjenige als Täter heraus, den man am wenigstens verdächtigt. Genau nach diesem Schema funktionieren hunderte von Hollywood Krimis. „Mother“ dagegen weiß zu fesseln, packt das Geschehen immer wieder von unkonventionellen Seiten an und stellt sich deshalb als echte Überraschung und Kritikerliebling heraus.
Do-joon ist ein einfältiger junger Mann, der in seinen späten Zwanzigern immer noch bei der umsorgenden Mutter lebt. Als eines Tages die Leiche eines Schulmädchens gefunden wird, gerät Do-joon schnell unter Verdacht, denn neben dem Körper des Mädchens finden die Polizisten einen Golfball, auf dem sein Name steht. Im Verhör nehmen die Beamten Do-joon so lang in die Mangel, bis er eingeschüchtert und verwirrt ein Geständnis unterschreibt. Seiner Mutter gegenüber beteuert er jedoch seine Unschuld und diese setzt nun alles daran, den Fall auf eigene Faust aufzuklären. Und sie hat auch schon einen Verdacht, denn schließlich war Do-joon in der fraglichen Nacht mit seinem Freund Jin-tae unterwegs…
Genau wie der Verlauf lässt sich auch das Genre, in dem sich „Mother“ bewegt, in keine Schublade stecken. Mal klingen komödiantische, mal tragische Elemente an. Durchzogen wird das Ganze allerdings von den spannenden Ermittlungen der Mutter, deren Name übrigens im gesamten Film ungenannt bleibt – und die machen den Film zum echten Krimierlebnis. Immer wenn der Zuschauer glaubt, nun sei des Rätsels Lösung nah, stellen sich neue Fragen und neue Herausforderungen. Immer wieder werden Tatsachen aufgedeckt, die besser verborgen geblieben wären.
Das ist aber nicht das Einzige, was „Mother“ zu etwas Besonderem macht. Herausstechend ist definitiv die Leistung von Kim Hye-ja als Do-Joons (Won Bin) Mutter - die gestandene Südkoreanische Schauspielerin erhielt für ihre Darstellung auch gleich mehrere Preise. Aber auch der hervorragenden Regiearbeit von Bong Joon-Ho ist es zu verdanken, dass die Spannung über den gesamten Film erhalten bleibt und das Mysterium um das ermordete Mädchen innerhalb von zwei Stunden glaubhaft inszeniert und mit überraschenden Wendung gespickt wird.
Bong Joon-Ho schaffte es mit seinem letzten Film „The Host“ übrigens auf Platz eins der erfolgreichsten koreanischen Filme – dementsprechend hoch waren natürlich auch die Erwartungen an den Nachfolger. Glücklicherweise enttäuscht „Mother“ nicht.
Vielmehr beweist er, dass gerade ein unkonventioneller Film am Ende überzeugen kann. Oder wie es der normalerweise eisenharte Filmkritiker Roger Ebert in der Chicago Sun-Times zusammenfasst: „Wieso kaufen wir denn ein Ticket? Um festzustellen, dass der Film genauso endet, wie wir es erwartet haben?“



