Kinonews 08. September 2010

Tod und neues Leben

Ein Haus am Meer wird zur Zuflucht einer Schwangeren, die das Kind ihres verstorbenen Ehemanns unter dem Herzen trägt – ab 09. September läuft „Rückkehr ans Meer“ im Kino

Bild: Arsenal Filmverleih
Bild: Arsenal Filmverleih

(MS) Ein französisches Drama – das klingt nach schwerer Kost. Spätestens beim Namen des Regisseurs Francois Ozon werden Filmfreunde jedoch hellhörig. Sehr ehrliche, manchmal schockierende und doch irgendwie immer einfühlsame Charakterstudien sind seine Stärke. In letzter Zeit hat es ihm vor allem ein Lebensabschnitt seiner Protagonistinnen angetan: Die Schwangerschaft. Als er die Nachricht bekommt, dass tatsächlich eine schwangere Schauspielerin zur Verfügung steht, zögert er nicht lang. Isabell Carré fasziniert ihn und bekommt die Hauptrolle in seinem lang anvisierten Projekt „Rückkehr ans Meer“.

Der Pariserin Mousse (Isabell Carré) und ihrem Gatten Louis wird ein Drogentrip zum Verhängnis. Louis stirbt, Mousse wird ins Krankenhaus eingeliefert und erfährt dort, dass sie schwanger ist. Die Familie ihres toten Ehemanns legt ihr mehr als deutlich nah, das Kind abzutreiben. Doch Mousse zögert – in ihrer Vorstellung lebt Louis in dem ungeborenen Kind weiter. Also zieht sie sich in ein einsames Strandhaus zurück und trifft dort auf Louis homosexuellen Bruder Paul (Louis-Ronan Choisy). Zwischen den beiden entwickelt sich langsam ein zartes Band der Freundschaft.

Der Film macht keinen Hehl daraus, dass es hier nicht um eine kompliziert konstruierte Geschichte geht. Vielmehr wickelt und dreht sich „Rückkehr ans Meer“ in seinem Verlauf immer enger um seine Hauptdarsteller, deren Entwicklung und natürlich um Mousses Schwangerschaft. Obwohl Isabell Carré in dieser Rolle aufgeht, hatte sie vor Drehbeginn übrigens Bedenken. Was wird das Kind denken, wenn es später den Film sieht? Und kann eine werdende Mutter überhaupt gleichzeitig Schauspielerin sein? Doch Ozon zerstreute diese Bedenken schnell durch seinen einfühlsamen Umgang mit den Schauspielern.

Diese Art der Regiearbeit spiegelt sich auch im Charakter des Films wieder: Es sind keine großen Gesten nötig, um etwas auszusagen. Die wunderschön fotografierten Küstenbilder, der omnipräsente Bauch und die Beziehung zwischen Mousse und Paul bilden zusammen eine zarte und schön erzählte Geschichte rund um den Verlust einer geliebten Person und den Hoffnungen, Ängsten und Träumen danach. Wer keinen Blockbuster im Stile Hollywoods erwartet, sondern Filme mit Tiefgang mag, sollte deshalb einen Blick riskieren.



Werbung