Kinonews 26. August 2010

Von eierlegenden Prostitutierten

Ein kleines australisches Mädchen und ein amerikanischer Mittvierziger beginnen eine ungewöhnliche, lustige und berührende Freundschaft im Animationsfilm „Mary & Max“, der am 26. August im Kino startet

Bild: Melodrama Pictures
Bild: Melodrama Pictures

Wie schon in dem Vorgängerfilm „Harvie Crumpet“, der den Oscar für den besten animierten Kurzfilm erhielt, beschäftigt sich Regisseur Adam Elliot mit zwei Außenseitern. Weder dem australischen Mädchen Mary noch dem Amerikaner Max, der am Asperger-Syndrom leidet, steht die Welt offen. Sie sind einsam, bis sie sich durch einen puren Zufall kennenlernen.

Die 8-jährige Mary lebt 1976 in Melbourne und ist dank riesengroßem Muttermal auf der Stirn und der Brille auf der Nase nicht sonderlich beliebt bei ihren Mitschülern. Ihre Mutter trinkt und stiehlt, ihr Vater stopft lieber Vögel aus, als sich um sie zu kümmern. Es ist niemand da, der ihr die Welt erklären könnte, also beschließt sie einen Brief an jemanden zu schicken, den sie zufällig aus dem Adressbuch ausgewählt hat.

Max ist 44 Jahre alt und lebt zurückgezogen mit seinem Papagei und einem Kater in seiner Wohnung in New York. Er spricht nur mit seinem imaginären Freund Mr. Ravioli, seinem Psychiater und seiner blinden Nachbarin. Die Welt ist für ihn häufig seltsam, viele Dinge versteht er nicht oder findet er falsch und ungerecht. Sein Psychiater schiebt seine verschrobene Persönlichkeit auf das Asperger-Syndrom.

Der Brief von Mary sorgt erst einmal für eine heftige Panik-Attacke bei Max. Aber er fängt sich, setzt sich an seine Schreibmaschine und antwortet ihr. Trotz allen Widrigkeiten entsteht eine Brieffreundschaft zwischen den beiden. Mary hat viele Fragen, wie zum Beispiel wo die Babys herkommen, auf die Max kreative Antworten findet.

In Australien werden Babys nämlich auf dem Boden von Biergläsern gefunden. In Amerika stammen die Kinder aus Eiern, die der jeweiligen Konfession der Eltern entsprechend von Nonnen, Rabbinern oder schmutzigen Prostituierten ausgebrütet werden. Beide finden eine Bezugsperson, die sie ernst nimmt und schaffen es gemeinsam aus ihrer Einsamkeit auszubrechen und neue Hoffnung zu gewinnen.

Man merkt Elliot seine Liebe zu den Figuren an und er spricht in Interviews auch davon, dass er sich häufig auch fremd in dieser Welt führt. Selbst jetzt noch, wo er ein gefeierter Regisseur ist. Er hat auch einen Brieffreund, der ebenfalls am Asperger-Syndrom leidet. Die Figur des Max ist frei an ihn angelehnt.

Betrachtet man den Oscar-prämierten Vorgänger so erkennt man, dass der Animationsstil konsequent weiter verbessert wurde. Elliot leidet an angeborenem Tremor und dieses Zittern hat er in seinen Zeichenstil integriert. Die Farbwahl ist trist: New York ist schwarz/weiß, Melbourne in Brauntönen gehalten. Umso besser wirken Details: Der braune Umschlag mit Marys erstem Brief wirkt auch optisch wie ein kompletter Fremdkörper in der Welt von Max.

Insgesamt bleibt festzuhalten: Die Mischung aus Wallace & Gromit und Harold & Maude ist voll von schwarzem Humor, manchmal bitter und traurig, aber vor allem immer berührend.

Trailer



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