Lokales 01. August 2011

Eine Schau für Pikachu, Heidi und Sailor Moon

Die Bundeskunsthalle zeigt ab heute eine umfangreiche Anime-Schau in Bonn. Von Biene Maja über Dragonball bis Cosplay ist alles dabei

Bild: Maximilian Mühlens
Bild: Maximilian Mühlens

Bonn (MM) Ein mannshohes, graues Fabelwesen begrüßt die Besucher der „High Art-Pop Culture“-Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. Breitgrinsend und mit weit aufgerissenen Kulleraugen nimmt das Tierchen den Besucher in Augenschein. Es dreht sich langsam auf einer grünen Drehscheibe und hält in der linken Pfote einen blauen Regenschirm. Warum es dies tut, bleibt der Fantasie des Besuchers überlassen.

Geradezu gespenstig mutet eine Figur im Nebenraum an. Mit einem blutroten Gefieder bekleidet, zeigt sich dort eine Mischung aus Mensch und Fantasiefigur. Die Flügel des Wesens haben eine beeindruckende Spannweite von über zwei Metern. Geschaffen hat die Figur ein Lehrer aus Ulm, der das Kostüm seiner Lieblings-Animefigur „Suzaka“ nachgebildet hat. Ungewöhnlich bunt präsentiert sich die Bundeskunsthalle mit der neuen Ausstellung „High Art-Pop Culture“, die heute öffnet. Mit der Schau präsentiert das Museum die Geschichte, Ästhetik und die Produktionsweise des japanischen Anime.

Unter dem Begriff „Anime“ versteht man das „bewegte Bild“, die Animationsfilme aus Japan. Ganz neu ist die Ausstellung allerdings nicht. Vor Bonn konnte man die Anime-Schau schon in fünf anderen Museen auf der ganzen Welt besuchen. Hervorgegangen ist die Schau von einer erstmals im Filmmuseum Frankfurt gezeigten Ausstellung. „Die Bonner Schau ist allerdings die Größte bisher“, sagte Jessica Niebel aus dem Kuratorenteam. In Bonn stehe eine achtmal so große Fläche zur Verfügung, als in Frankfurt, so die Kuratorin weiter. Mit der Anime-Schau, die aus dem bisherigen Rahmen der gebotenen Ausstellungen der Bundeskunsthalle springt, eröffnet Intendant Robert Fleck eine Reihe von Ausstellungen zur zeitgenössischen Bildkunst. An den japanischen Zeichentrickfilmen komme man dabei nicht herum, so Fleck. „Sie sind inzwischen ähnlich prägend wie Pop-Art“, so der Intendant.

Zahlreiche handbemalte Folien, die Szenen aus „Pokemon“, „Dragonball“ oder auch „Heidi“ zeigen, werden in Bonn präsentiert und vermitteln dem Besucher einen Eindruck vom Entstehungsprozess eines Anime-Films. So verwundert beispielsweise, dass der Animationsfilm „Heidi“ in Japan gezeichnet wurde und nicht, wie vielleicht gedacht, in Deutschland. Beeindruckend sind nicht nur die Produktionsfolien, sondern auch eine Fotoserie von Oliver Sieber, der Cosplayer fotografierte. Cosplayer sind Anime-Fans, die die Kostüme ihrer Lieblings-Charaktere nachschneidern, um so in deren Rollen zu schlüpfen. Sieber sind ausdrucksstarke Fotos gelungen, die verdeutlichen was für einen enormen Stellenwert der Anime-Film im Leben mancher Menschen hat.

Die Ausstellung ist nach den verschiedenen Anime-Genres untergliedert. So beginnt der Rundgang mit dem Anime für Kinder (kodomo no anime) und endet im Anime für Erwachsene (seinen anime). Anime behandeln zum Teil sehr ernste Themen wie Krieg, Umweltzerstörung und die Folgen der Technisierung. Ein umfangreiches Kinoprogramm, welches natürlich ausnahmslos Animes zeigt, rundet die Ausstellung ab.

Anime! High Art- Pop Culture
29. Juli 2011 bis 8. Januar 2012

Katalog 26,90 Euro

Eintritt (regulär/ermäßigt/Familienkarte): 8 Euro / 5 Euro / 14 Euro



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