Mit Gehrock und schwarzer Krawatte
Einen besseren Start für die Open-Air –Saison hätte es auf dem Museumsplatz nicht geben können: Unheilig begeistert das Bonner Publikum.
Bonn. (MM) Begeistert zählt das Publikum die Sekunden herunter, die noch verbleiben, bis der Graf mit seiner Band die Bühne betritt. Als die zwei LED-Bildschirme seitlich der Bühne die letzten fünf Sekunden anzeigen, kennt das Publikum kein Halten mehr. Jubelnd werfen die Fans ihre Hände in die Höhe und strahlen über das ganze Gesicht in Erwartung eines fantastischen Konzerts.
Fantastisch, mystisch und anstrengend war es. Anstrengend deshalb, weil es der Graf, wie kein anderer Künstler versteht, sein Publikum in das Konzert zu integrieren. Es wird gehüpft, getanzt und natürlich mitgesungen. Manch einer im Publikum war nach dem zweistündigen Konzert fast so fertig wie der Graf selbst.
Dieser begann sein Konzert schon ziemlich sportlich. Nachdem seine Band die Bühne betrat, kam er nach einigen gespielten Akkorden auf die Bühne gestürmt und rannte in jede mögliche Ecke der großen Bühne. Man hatte das Gefühl als wolle er jeden Gast persönlich begrüßen. Der persönliche Kontakt zu seinen Fans ist ihm besonders wichtig. Kein Wunder, dass er sich deshalb als einen Künstler „zum Anfassen“ betitelt. Zwischen den Songs gibt es immer wieder längere Pausen, die er nutzt um in Kontakt mit seinen Fans zu treten. So nimmt er beispielsweise von einem weiblichen Fan ein Fan-T-Shirt entgegen und erfüllt ihr einen, wenn auch gewöhnungsbedürftigen Wunsch. Er nutzt das Textil um sich den Schweiß von der Stirn und dem Gesicht abzuwischen. Lachend reibt er es sich auch unter die Achseln und sagt: „Ich gebe mir wirklich Mühe!“.
Mühe gibt sich der Graf auch immer mit seinen ganz jungen Fans. Da Unheilig jedes ihrer Konzerte als eine Art „Familienfest“ verstehen, wird sich ganz besonders um die kleinen Fans gekümmert. Vor dem Eingang des Museumsplatzes steht ein großer Lastwagen, der allerhand attraktive Angebote für die Kids bereithält. Gehen die Kleinen bei solch großen Konzert meistens in der Menge unter, können sie den Grafen hautnah von einem eigenen Familienbereich erleben. Als der Graf wissen möchte, wo es sich denn in Bonn lohnt hinzugehen, rät ihm ein kleiner Fan: „Geh zu Haribo!“.
Der Graf schafft es den ausverkauften Museumsplatz komplett in seinen Bann zu ziehen. Rund 6500 Menschen trotzen auch der ein oder anderen Regenschauer und lassen sich von dem gebürtigen Aachener in eine mystische Welt entführen. Mit schwarzem Gehrock, schwarzer Anzugshose, schwarzer Krawatte und weißem Hemd präsentiert sich der Graf gewohnt stilsicher in der Bundesstadt. Man könnte das Konzert als wunderbare One-Man-Show bezeichnen. Die Band verschwindet im Schwarz der Bühne, der Graf steht im Vordergrund und zieht die Blicke auf sich.
Wunderbar mystisch haben die Bühnengestalter den Museumsplatz in Szene gesetzt. Mehrere Kerzenständer mit großen weißen Kerzen sieht man auf der Bühne, genauso wie den vom „Grosse Freiheit“- Cover bekannten roten Schiffsbug. Eine mitreißende Lichtshow rückt die Songs ins „richtige“ Licht.
Der Graf präsentiert in Bonn nicht nur die Songs von seinem erfolgreichen „Grosse Freiheit“-Album, sondern auch zwei neue Songs, die erst im neuen Album erscheinen sollen, welches im nächsten Jahr herauskommen wird. Untermauert mit seinem eigenen, gewöhnungsbedürftigen Tanzstil, gibt der Graf in Bonn selbstverständlich auch „Geboren um zu leben“ und „Unter deiner Flagge“ zum Besten.
War Unheilig der unbestrittene Star des Abends, konnte ebenso die Vorband das Publikum begeistern. Keine geringe Band, als die britische Rockband „Livingston“ stimmte auf das Konzert von Unheilig ein.
Schön, dass Unheilig während der „Heimreise“-Tour auch in Bonn vorbeigeschaut haben. Hoffen wir, dass sie der Weg bald wieder ins Rheinland führt.


