Staatsmann mit Regenschirm
Zwei Monate nach seiner Wahl besuchte Bundespräsident Christian Wulff gestern offiziell seinen zweiten Amtssitz - Bei seinem Antrittsbesuch wurde er von Regenschauern begleitet
Bonn. (MM) Das sehen die Bewohner der Kaiser-Friedrich-Straße in Bonn nicht allzu oft: Scharen von Medienvertretern vor dem Eingangstor zur Villa Hammerschmidt. Bundespolizisten, die die Menge in Zaum halten – gestern war es soweit, Christian Wulff besuchte zum ersten Mal offiziell seinen zweiten Amtssitz in Bonn.
In den Empfangsräumlichkeiten der prächtigen Villa Hammerschmidt, die auch das „Weiße Haus am Rhein“ genannt wird, erwartete Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch den hohen Besuch aus Berlin. Nach einer kurzen Begrüßung führte Nimptsch das Staatsoberhaupt zum goldenen Buch der Bundesstadt Bonn. Erst zum vierten Mal verließ das Buch für eine Eintragung das Alte Rathaus. Der Grund der Ausnahme ist eher profan, das repräsentative Rathaus in der Bonner Innenstadt wird momentan umgebaut.
Gut gelaunt stellte sich Christian Wulff den Fotografen und den Fragen der anwesenden Journalisten. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident sparte nicht mit lobenden Worten für seinen zweiten Amtssitz. Überraschend gab er zu, dass er wenige Tage zuvor schon einmal der Villa Hammerschmidt einen Besuch zusammen mit Ehefrau Bettina und Söhnchen Linus Florian abstattete. Der Besuch war sehr spontan und sollte die „Echtsituation“ widerspiegeln, diese haben die Mitarbeiter, wie auch die Gärtner mit Bravour bestanden. Vor allem die Gärtner machen eine „hervorragende Arbeit“.
Das Bonn-Berlin Gesetz mit der Aufteilung der Regierungsstandorte sei "aktiv zu leben und mit Leben zu erfüllen", so der Bundespräsident in seiner Antrittsrede in Bonn. "Es muss nicht alles zentral organisiert werden.“ Auf die Frage wie er seinen Bonner Amtssitz in Zukunft nutzen wolle, gab es von ihm keine überraschende Antwort. Er möchte die Villa Hammerschmidt, wie sein Vorgänger nur „sporadisch“ für Empfänge nutzen.
Nach einem Mittagessen unter anderem mit den Fraktionschefs des Bonner Stadtrates ging es zu Fuß zum Haus der Geschichte. Dabei hatte das Staatsoberhaupt die freie Wahl, wie er zum Museum kommt. Aufgrund des teilweise starken Regens hätte Wulff bequem mit seiner Limousine zum Museum fahren können – doch er wollte zu Fuß gehen.
Das Staatsoberhaupt schützte sich mit einem schlichten schwarzen Regenschirm bedruckt mit einem dezenten goldenen Bundesadler. Erster Halt war das Adenauer-Denkmal am Bundeskanzlerplatz, dort traf der 51-jährige Wulff auf einen jungen Familienvater mit seinen beiden in einem Fahrradanhänger schlafenden Zwillingen. Die beiden ließen sich vom Medienrummel nicht stören und schliefen ungestört weiter. Lag vielleicht auch daran, dass der Bundespräsident die Fotografen um Ruhe bat, denn „der Mittagsschlaf ist sehr wichtig“.
Kurzerhand wurde von der Polizei die zur Mittagszeit stark befahrene B9 in beiden Richtungen gesperrt, damit der Bundespräsident und sein Tross sicher über die Straße kam und weiter in Richtung „Haus der Geschichte“ gehen konnte. Dort angekommen wurde das deutsche Staatsoberhaupt durch den Direktor des Museums Prof. Hans Walter Hütter in Empfang genommen und durch einen Teil der Ausstellung geführt. Gastgeschenke gab es natürlich auch: Jürgen Nimptsch überreichte seinem Gast eine Spieluhr mit Beethovenklängen und Professor Hütter verschenkte das Buch „Geschichte erleben“.
Christian Wulff beendete seinen eintägigen Besuch in Bonn mit einer Schifffahrt auf dem Rhein in Richtung Bad Honnef. Die Bonner erlebten einen gut gelaunten, offenen, sympathischen und volksnahen Bundespräsidenten, der vor allem die überraschten Besucher des „Haus der Geschichte“ in seinen Bann zog.



